Besuch im hohen Norden

Tatsächlich, nördlicher geht’s fast nimmer. Aber fangen wir beim Anfang an, so wie es sich gehört.

Ich gebe es zu, ich mag den Norden. Immer Wind, Seeluft die einem durch die (dürftigen) Haare weht und die rauhe See haben es mir irgendwie angetan. Das war aber nicht der Grund, warum ich nach Norden bin.

Nadja hatte mir damals noch versprochen, das sie mir Flensburg, ihre Heimatstadt zeigt. Da ich noch ZUFÄLLIG ein paar Lidl-Bahntickets rumliegen hatte und die auch wegmussten, hab ich die Chance ergriffen.

Nachdem ich also, inmitten meines Resturlaubs, am letzten Mittwoch losgefahren bin (diesmal mit der Bahn, also hab ich fast alle (öffentlichen) Reisemittel die erschwinglich sind genutzt), kam ich auch relativ schnell an und wurde von Nadja mit einem Kuchen (hatte ja kürzlich Geburtstag) und ein bißchen Sekt begrüßt. Sehr gut, der Urlaub hat schon prima angefangen.

Von der Bahnfahrt selber kann ich nicht viel erzählen, da war nicht soviel los, und die 15 Amerikaner die zugestiegen sind, fand ich nicht gesprächsinteressant. Aber zurück zu Kuchen und Sekt 🙂

Wir haben uns also erstmal verplappert, und dann musste Nadja noch zur Nachhilfe für zwei Jungs und ich hab solange Norderstedt bzw. das Heroldcenter angeschaut. Und da der ausgezeichnet vorbereitete Plan (kam ja auch nicht von mir) für den Donnerstag einen Besuch  in der Therme vorsah, musste ich dann noch schnell eine Badehose kaufen. Ansonsten war so ein Shopping-Nachmittag auch mal ganz nett 🙂

Abends haben wir uns dann vorm Kino getroffen, Karten für „Meine erfundene Frau“ gekauft und sind dann erst noch in eine Cocktailbar, bißchen was essen und trinken. Ich hatte nen leckeren überbackenen Ziegenkäse. Schönschön.

Den Abend haben wir dann noch weitergequatscht, ist ja ne Menge aufzuholen. Am nächsten Morgen ist dann Nadja um 6h aufgestanden und in die Schule abgedampt, während ich mich noch ein paarmal umgedreht habe, bis es 9h war. Dann gemütlich gefrühstückt, die Nachrichten des Tages gelesen und aufgebrochen in die Therme. Nach ein paar kleinen technischen Problemen („Sie sind nicht hier in dieser Umkleide (Herren), sie sind in der anderen (Classic)“), bin ich kurz durch den Schüler- und Seniorenbadebereich gewatschelt um mich dann 3h lang in der Saunalandschaft zu vergnügen. Da gabs dann auch alles was man sich vorstellen kann, Kaltwasserbecken, Solegrube, Salzkristall-Sauna, Finnische Sauna (110°C) usw. Auch ins Dampfbad hab ich mich einmal getraut, war in sowas noch nie drin, und bin gleich dadurch aufgefallen das ich mein Handtuch noch dabei hatte. Leider hat die „bin Anhalter“-Ausrede nicht gefruchtet und ich hab mein Handtuch dann doch erst nochmal draussen deponieren müssen. Ist halt alles deutlich feuchter als in einer Sauna, wo man sich auf sein Handtuch setzt 🙂

Ansonsten hab ich mich schön nach Kneipp-Manier durch die Warm-Kalt-Wechselbäder gequält und bin dann, nachdem ich noch schnell zwei Apfelsaftschorle getrunken hab, wieder zurück zu Nadjas Wohnung. Natürlich war sie da noch nicht da, sie musste ja arbeiten.

Also hingesessen und mein Buch gelesen (Deutschland for Beginners) und mich darüber köstlich amüsiert. Irgendwann kam dann auch Nadja nach Hause und wir haben dann gemeinsam gekocht (gemischter Salat, Nudeln mit Soße und als Nachtisch einen Obstteller) und diesen dann verspeist.

Der Abend wurde ein Youtube-Abend. Es lebe das Internet. Wir haben uns diverse komödiantische Gruppen angeschaut (Basta, Eure Mütter), ein paar Kabarettisten (Volker Pispers, Jürgen von der Lippe) und sind aus dem Lachen nicht mehr rausgekommen. Herrlich 🙂 So eine Lachtherapie kann ich jedem empfehlen.

Der Freitag war aus meiner Sicht unspektakulär, zumindest der Vormittag. Bin wieder deutlich später als Nadja aufgestanden, ins Industriegebiet von Henstedt-Ulzburg gelaufen und dort die ganzen Läden abgeklappert, ob mir da irgendwas spannendes auffällt. Allerdings ist der real,-, Media-Markt und Tchibo-Prozente nicht arg unterschiedlich zu hier (im Süden). Aber Ich konnte wieder ein paar Norddeutschte schnacken hören, das war ganz nett 🙂

Um 14h rum, hab ich Nadja dann im Zug getroffen und wir sind nach Flensburg gefahren, der nördlichsten deutschen Stadt. Bekannt durch .. den Orion- und Beate-Uhse-Versand. Oder so. Hab ich gehört. Sagte mein Arbeitskollege.

Fürstlich und herzlich aufgenommen von Nadjas Großeltern, hab ich dann gleich massig Lebenserfahrung der Großeltern mitnehmen dürfen und gegen später sind Nadja und ich dann ins Flensburger Nachtleben aufgebrochen. Erst ins CC zum Cocktail schlürfen und dann weiter ins Shamrock (Irish Pub). Dort hat ne Liveband gespielt, deswegen haben wir den Plan, noch in 1-2 weitere Bars zu ziehen relativ schnell aufgegben. Gegen drei Uhr nachts noch den Nachtbus erwischt und dann zurückgefahren.

Samstags morgens (natürlich hab ich wieder länger geschlafen), mit einem Frühstück begrüßt worden, das seinesgleichen sucht   Nachdem ich mich durch die diversen Käsesorten durchprobiert habe, die Gürkchen und Tomaten verspeist hatte und der Kaffee  mir schon weggenommen wurde (ich neige zur Übertreibung), sind wir  dann nochmal losgezogen, und Nadja zeigte mir die wichtigen Orte ihrer Kindheit. Es ist mal sehr spannend eine Stadt durch die Augen einer anderen Person zu sehen und damit meine ich nicht den Standard- 0815-Stadtführer.

Kurz noch an der Flens-Brauerei vorbei und dann durch den Stadtkern durch. Es gibt da eine Menge kleiner Gäßchen und verwinkelte Ecken, in die trotzdem noch irgendwie Sonne reinkommt. Wunderschön, muss man gesehen haben.

Leider war die Zeit begrenzt und wir mussten um 17h schon wieder auf die Bahn, weil ja am Samstag Abend der einzige mir schon vorher bekannte Termin war. MÄRCHENABEND

Ein paar Rahmeninformationen: Dieser Märchenabend fand auch einem ehemaligen Bauernhof statt, der, laut Nahverkehrsplaner „ca. 41 Minuten“ von der nächsten Haltestelle entfernt liegt. Zu Fuß. Gut dass wir abgeholt wurden, da rauf hätte ich jetzt nur bedingt Bock gehabt.

Nach einer kurzen Aufwärmphase im Laden, der angeschlossen an die Bauernhof so Krimskrams verkaufte wie „Treibholz mit Teelichter“, oder Blechfiguren, oder komische Samen von exotischen Früchten, oder Tee, oder, in Zahnstocher geschnitzte Figuren. Bisschen Alternativ halt.

Danach wurden wir ins Wohnzimmer eingeladen, der Ehemann erzählte immer ein paar Märchen (meist sehr persisch angehaucht, selten so die klassischen „Gebrüder Grimm“-Märchen) und zwischendurch spielte die Ehefrau auf der Harfe. Mich hat man ja eventuell schon auf Facebook gesehen mit meiner Harfe 🙂

Dazu gabs Rostocker Pils, Brezeln und Salate. Da das Ehepaar auf Rohkost umgestiegen ist, gabs halt nix anderes.

Alles in Allem war der Abend recht unterhaltsam, auch wenn die beiden Gastgeber schon recht alternativ waren und ich mich zeitweise fast schon missioniert vorkam. Auch waren die Geschichten meist nicht so besonders, zumindest hatte ich bei Märchen irgendwas erwartet, bei dem dir dir Moral direkt ins Gesicht springt. Nur eine Geschichte fing sehr gut an, diesen Anfang hab ich mir merken können:

Reden zwei ungeborene Zwillinge im Mutterleib: „Sag mal, glaubst du an ein Leben nach der Geburt“

Fand ich schon alleine unglaublich witzig.

Danach hat eine Bekannte von Nadja (achso, nicht nur Nadja und ich waren da, sondern auch ein Haufen von ihren Kolleginnen und Freunden) uns wieder mit zurückgenommen und wir sind seelenruhig entschlummert.

Am Sonntag holte dann Nadja wieder die Realität ein, sie mußte noch eine Matheklausur korrigieren, währenddessen hab ich mir es wieder mit dem oben bereits erwähnten Buch gemütlich gemacht. Danach ist sie noch 10km joggen gegangen, und ich, der ja nicht joggen kann, bin mit dem Fahrrad mitgefahren. Sport [x]

Abends sind wir dann schön gemütlich zum Italiener (Tortellini mit Spinatfüllung, dazu Gorgonzola-Soße) und nach einem Absacker (Grappa) gings dann zurück zu Nadja und wir haben noch eine Leseabend mit Jürgen von der Lippe, Carolin Kebekus und Jochen Malsheimer genossen, wä . achne, das war ja Samstag Abend. Richtig am Sonntag hab wir dann die Millenium-Triologie anschauen wollen, ich kannte den ersten Teil schon, also sind wir in der Mitte eingestiegen. Oder war das Samstag? Achja, mein Gedächtnis. Auf jeden Fall ist Nadja währenddessen eingeschlafen, weil das halt echt kein guter Film ist. Echt nicht. Weiß gar nicht warum der so gelobt wurde.

Am Montag morgen bin ich dann ausnahmsweise mit der Nadja aufgestanden, wir haben gefrühstückt und uns verabschiedet, weil sie noch bissle was für ihr Staatsexamen machen muss und ich da natürlich nicht im Weg stehen wollte. Also, auf in die Bahn und wieder in den Süden.

Alles in allem ein herrlichen und wunderschönes Wochenende, ich hab mich sehr entspannt und hab zur Zeit noch weniger Lust auf Arbeit 🙂 Aber das wird sich auch wieder legen.